Die Geburt von Frida

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Wie sich wohl so eine Elefantenmama fühlt, wenn nach 24-monatiger Tragezeit endlich der Nachwuchs geboren wird? Ich bin zwar keine Elefantendame, aber mit der 24-monatigen Tragezeit fühlt es sich genauso an. Denn auch Frida brauchte 2 Jahre um geboren zu werden. Also von der Idee bis zur Geburt. 

Bei der Planung der Einzelkomponenten kamen mir unwillkürlich Gedanken wie zu einem Wunschbaby: Welche Augenfarbe soll es haben? Soll es lieber brünett, blond oder rothaarig sein? Wie gross und welches Gewicht soll es werden? Welchen Charakter hätte ich gern? Kurz, welche Gene möchte ich ihr mitgeben? Und überhaupt-soll es eher ein Junge oder ein Mädchen werden? Ich habe mich für ein Mädchen entschieden -2 chicas in Südamerika! Einfach deshalb, weil auch mein Strassenfahrrad „Bertha“ und mein Mountainbike Mädels sind und ich in ihnen treue Reisegefährten gefunden habe.

Mit Hilfe vieler, vieler Internetrecherchen, dem Wälzen von Radreiseführern und dem Befragen von 2 radbegeisterten Freunden, wurden die Einzelkomponenten bestellt. Ich habe mich für einen klassischen Stahlrahmen mit ungefederter Gabel entschieden und schliesslich den Terra-Rahmen von Patria bestellt. 26 Zoll-Laufräder mit ner Rohloff-Speedhub 500/14 und nem SON28-Dynamo vorne, um hier die Möglichkeit zu haben, unterwegs meine kleinen elektronischen Geräte aufladen zu können. Brooks-Ledersattel, Schwalbe Marathonreifen, Tubus Gepäckträger vorne und hinten, Schutzbleche, die optimalerweise nicht klappern. Achso und die ganz einfachen V-brakes. Keine Scheiben- oder Magura Hydraulikbremsen, die könnte ich selbst nicht reparieren. Das sind die Kernelemente.

Als die einzelnen Lieferungen dann da waren, hat mir Peter die Laufräder eingespeicht. Peter ist ein Studienfreund, der schon sein ganzes Leben Fahrräder zusammen schraubt. Vor besagten 2 Jahren hat er mich mal besucht, wir haben schön gequatscht, waren was leckeres Essen. Wie man das halt macht mit Freunden, die man eine Weile schon nicht mehr wiedergesehen hat. Und so habe ich ihm unter anderem auch von meinen Reiseplänen erzählt. Daraufhin hat mir Peter seine Hilfe angeboten. Ziemlich spontan, ohne Alkoholeinfluss. War also nicht ganz die klassische Wette im Pub nach ner durchzechten Nacht. Eher reine Begeisterung am rumschrauben und die Leidenschaft für Fahrräder. Und insgeheim wollte ich schon länger mal ein Fahrrad von Grund auf zusammenbauen. Das war so ein toller Moment, weil ich mal wieder was Neues lernen kann, mir meine Wunschkomponenten aussuchen kann, jedes Teil an meinem Fahrrad kenne und es auch noch preisgünstiger ist als bei der Bestellung eines Komplettrades. Zumal die meisten anderen Anbieter Reiseräder mit besagten Magurabremsen verkaufen, oder sich jeden Extrawunsch gut bezahlen lassen.

So kam es dann auch, dass Peter mich mit den beiden Laufräder an einem Nachmittag im Mai besucht hat und wir zusammen das Fahrrad zusammenbauen. Tatsächlich war es dann doch zum Großteil Peter, der geschraubt, gefeilt und montiert hat. Ich durfte Geburtshelfer spielen. Habe zum ersten Mal nen Gewindeschleifer bedient. Angefangen haben wir mit dem Kurbellager. Dieses hatte bei der ersten Lieferung nicht gepasst, da der Zahnkranz an die hintere Strebe gekommen ist und sich auch das Lager selbst nicht richtig in den Rahmen reingepasst hat. Das neue Lager passte. Weiter ging es mit Pedalen, Sattel, hinterem Schutzblech und der hinteren Bremse. Dann wurden die Räder fertig gemacht: Felgenband, dann Schlauch und Mantel. Luft aufpumpen und in den Rahmen einpassen. Jetzt folgten Kette und schon die ersten Anpassungen des Lenkers. Kurzes Probefahren auf dem Hof, weil ja das Lenkerrohr noch entsprechend gekürzt werden musste.

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Nach dem Mass nehmen wurde die Gabel mit Steuerrohr ausgebaut und in den Schraubstock gespannt. Nach dem Feilen wurde noch entgratet, so dass ich mir unterwegs keinen Metallsplitter zuziehe, sollte ich mal am Lenker rumschrauben müssen.

Es folgten – nach einem kurzen Abstecher zum lokalen Fahrradhändler, um die noch benötigten Spacer zwischen Rahmen und Vorbau zu besorgen (man kann ja schliesslich nicht an alles denken UND bei so nem Fahrrad sind doch mehr Teile dran als es zunächst den Anschein hat) – der Anbau von Vorbau, Lenker, Bremshebel, Schaltung und Hörnchen. Weiter ging es mit Vorderradgepäckträger, Bremsen und dem Anbasteln der Schutzbleche. Die Züge für Hinterradbremse und die beiden Rohloffschaltungen wurde nach kurzem Überprüfen und dem Blick ins Rohloff-Montagehandbuch an die untere Seite des Oberrohrs verlegt. Sieht zudem auch minimalistischer aus, hat den Vorteil, dass die Züge weniger Kurven laufen müssen und damit die Defektanfälligkeit reduziert wird und ich das komplette Unterrohr für Flaschenhalter zur Verfügung habe. Das Einstellen der Nabenschaltung bildete den Abschluss bevor ich mit Frida eine erste Proberunde auf der Straße drehen konnte.


Aus den vielen Einzelkomponenten wurde ein schickes Fahrrad. Viel graziler als die Fatbikes, die Peter sonst so zusammenbaut. So war es auch für ihn ein Erlebnis sein erstes Reiserad zusammengebaut zu haben. An dieser Stelle nochmal ein ganz grosses Dankeschön an Peter, für deine Hilfe und einen besonderen Nachmittag.

Nun ist sie da. FRIDA. Benannt nach Frida Carlo. Der Name einer starken Frau, die sich nie hat unterkriegen lassen im Leben. In der Hoffnung, dass sich auch meine Frida davon inspirieren lässt. Die besten mechanischen Voraussetzung habe ich ihr versucht mitzugeben. Jetzt wird sich zeigen, wie gut sie sich in der Praxis schlägt.

Wir werden zusammen die Welt entdecken. Aber erstmal ganz langsam. Schritt für Schritt. Oder eher, Pedalumdrehung für Pedalumdrehung.

Wir müssen uns erstmal kennenlernen. Dazu gehört, die Vorlieben des anderen herauszufinden. Wird sie die Berge genauso lieben wie ich? Wird Sie ebenfalls das Gefühl haben, vom Leben einen Schwung bekommen zu haben, wenn wir mit Rückenwind die Strassen entlangfliegen? Ist sie bereit auch mal die Zähne zusammenzubeissen, wenn es anstrengend wird? Oder wird bei ihr gleich die Luft raus sein, wenn der Weg mal etwas holpriger ist? Ich hoffe sehr, dass wir das Gefühl der Freiheit und des vergleichsweise langsamen Fortwärtskommens gleich geniessen.
Das wird sich zeigen. Wir werden es gemeinsam herausfinden. Dazu haben wir nun Zeit.

Frida ich freue mich, dass du da bist. Und auf unsere gemeinsamen Abenteuer.

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