Einmal Dschungel und zurück

Zu Besuch bei Machu Picchu

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Einen Schritt vor den anderen. Langsam, aber stetig geht es immer tiefer in die Wolken rein. Und damit aufwärts. Blick auf den Weg, um die nächste Stufe zu erklimmen. Jede Schritthöhe ist anders. Mein Atem rasselt. Kurz habe ich mir meine Kapuze übergezogen, höre mich aber sofort an wie Darth Vader auf Speed und reiße mir die Kapuze wieder vom Kopf. Ist ja eigentlich auch egal. Ich bin total durchnässt, von außen und von innen. Es gibt keine einzige trockene Stelle mehr an meinem Körper. Mein Körper zittert; vor Anstrengung, vor Kälte und auch ein bisschen vor Vorfreude. Gleich ist Einlass. Es ist 5 Minuten vor 6 Uhr morgens. Kurz vor Sonnenaufgang.

Das es im Dschungel Regen gibt hätte mir bewusst sein müssen, aber irgendwie habe ich das verdrängt. Das ganze Hin- und Herüberlegen, wie man am besten und vor allem am preisgünstigsten nach Machu Picchu kommt, hat diese Info irgendwie nicht bewusst in meinem Kopf ankommen lassen. In ganz Cusco wird die Reise nach Machu Picchu vermarktet, entsprechend vielfältig ist dann auch das Angebot verschiedener Reiseagenturen und Outdoorgeschäfte, die alle ein Stück des doch erheblich saftigen Kuchens abhaben wollen.

Eine Möglichkeit zu Machu Picchu zu gelangen ist die 4-tägige Wanderung über den Inkatrail. Allerdings muss man sich dafür 6 Monate vorher in eine Warteliste eintragen, was bei mir aus bekannten Gründen ja nun entfiel. Auch wurde mir vorher von Personen abgeraten, den Inkatrail zu wandern, da es einfach überteuert ist und es in Südamerika diverse andere, teilweise schönere Wanderwege gibt. Eine weitere Möglichkeit in das etwa 80 km von Cusco entfernt liegende Weltkulturerbe zu gelangen ist per Rad… Viel auf und ab, und die zugeben nicht ganz einfache Wegstrecke hielten aber nicht nur mich, sondern auch viele der anderen Reiseradler, davon ab diese Option zu nutzen. Die im Internet am meisten angepriesene Möglichkeit ist der Zug, sicherlich auch sehr schön, allerdings extrem teuer! Mein japanischer Zimmernachbar zahlte für eine 2 Tagestour mit Bus- und Zugfahrt, Hostelübernachtung in Aguas Calientes und Eintritt immerhin 400 US $! Und auch ein amerikanischer Reiseradler berichtete von Ausgaben von über 300 US $. Und dann gibt es da noch die Option, die wir (Tina, Thomas und ich) genutzt haben. Im Internet meist als nicht möglich deklariert, sieht das die peruanische „cash cow“ Tourismusindustrie etwas anders: mit dem Minibus 6 Stunden ins Hinterland fahren (sozusagen über die Hintertür nach Machu Picchu) an einem Ort im Dschungel namens Hydroelectrica (der Name ist Programm, weil ausser einem Wasserwerk, ein paar Strassenständen und der Bahnstation gibt es dort nichts) rausgeschmissen werden, 2 Stunden entlang der Bahnschienen nach Aguas Calientes wandern (optional kann für 30 US $ pro Strecke auch die Bahn genommen werden), Hostelübernachtung mit Diner und Lunchpaket für nächsten Tag, ersteigen des Wanderweges nach Machu Picchu (Option 20 min Busfahrt für 20 US $), Eintritt und Führung, und dann alles wieder Retoure für ’nen Schnäppchenpreis von 90 US $! Was tut man nicht alles, um mal dort gewesen zu sein und es mit eigenen Augen erlebt zu haben. Aber was wäre der Besuch Südamerikas ohne den Besuch des Wahrzeichens schlechthin?

So war dann auch die Busfahrt hin schon ein Erlebnis für sich, obwohl wir noch Glück mit einem für peruanische Verhältnisse recht ausgeglichenen Busfahrer hatten:

Die Wanderung gestaltete sich in der Tat recht gemütlich, so dass wir ausreichend Gelegenheit hatten Fotos zu machen, nachdem wir uns erstmal gründlich mit Antimückenspray eingesprüht hatten (vor allem gegen die kleinen schwarzen beißenden Fliegen).

Aguas Calientes ist nur per Zug oder zu Fuß entlang der Bahnschienen erreichbar. Der ganze Ort besteht eigentlich nur aus Hotels, überteuerten Restaurants, zu vielen Souvenirläden sonstiger Art und dem Büro zum Kaufen der Eintrittskarten zu Machu Picchu. Zugegebenermaßen sorgen hier aber die Touristenmassen für eine eigene Strassenreinigung und die ausreichende bzw. überhaupt die Bereitstellung von Papierkörben. Es sind nur Fußgänger zugelassen, und an dem Abend, als wir da waren, liefen die Kinder alle in Kostümen und andere Menschen auf Stelzen rum, um den Geburtstag von Machu Picchu zu feiern.

3:30 Uhr. Der Wecker von Thomas klingelt uns alle 3 gnadenlos wach. Also raus aus den Federn, Wasserflaschen nochmal aufgefüllt, die wenigen Habseligkeiten zusammengepackt und ab Marsch! 4 Uhr nachts stolpern wir durch die Stadt, zusammen mit einigen anderen Backpackern. Um uns dann 4:30 Uhr vor verschlossener Fußgängerbrücke in die Reihe zu stellen. Als würde es hier Bananen geben…

Keine 5 Minuten später erstes Grollen. Was ist das? Es ist noch stockfinster, als plötzlich Blitze die ziemlich bedrohlich aussehenden umgebenden Berge erhellen. Kurz darauf ein Sturzregen, wie es sich für einen Dschungel gehört. Hmmm. Kalt ist es ja vorher schon nicht gewesen, aber kann die Luftfeuchtigkeit eigentlich auch über 100% steigen? Pünktlich 5 Uhr werden die Tore geöffnet und das Wettrennen ist eröffnet, wer am schnellsten die Treppen erklimmt und dabei nicht den Halt auf den matschigen Stufen verliert. Wobei sich das nach 10 Minuten einpegelt, viel Platz zum überholen ist eh nicht. Und die meisten haben doch ein ähnliches Tempo. Die Treppen regeln das ziemlich schnell. Und das obwohl es sich in einer Höhe oder eher „Tiefe“ von 2200 m recht gut atmen lässt. Nach 50 Minuten stellen wir uns erneut an, diesmal aber direkt vorm Einlass von Machu Picchu. Wir sind unter den ersten 30 Personen, die Einlass bekommen, als erneut pünktlich 6 Uhr die Tore geöffnet werden. Also fix rein und Fotos machen, bevor die ganzen anderen Touristen reinströmen. Es sind bereits jetzt deutlich die trockenen, ausgeruhten Busanreisenden von den sacknassen, verschwitzten Wanderern zu unterscheiden.

Als Belohnung, und nur dafür allein hat sich der Besuch gelohnt, erleben wir nicht nur den Sonnenaufgang vor einem noch fast verlassenen Machu Picchu. Zusätzlich gibt es genau über der Hauptanlage einen Regenbogen. Einfach magisch. Genau wie der Ort an sich. Die filigrane und exakte Anordnung der Steine. Die erhabene Bergwelt drumrum. Ja, auch inklusive des Nebels, der Wolken und des Regens. Und auch die zu erkennende Cleverness der Inka beim Bewässerungssystem, was auch sonst überall in der Umgebung Cuscos zu erkennen ist und heute noch benutzt wird!

Die Führung durch die Anlage ist nicht weiter erwähnenswert, zumal hier die Angaben von unserm Guide Arnold, diversen Reiseführern, Wikipedia und anderen Berichten unterschiedlicher nicht sein könnten. Alles noch Spekulationen, viel ist bislang immer noch nicht bekannt. Nur, dass Machu Picchu jedes Jahr ein wenig mehr absinkt. Nicht verwunderlich, wenn auf der Anlage täglich mindestens 2500 Touristen drüberwatscheln. Nach 2 Stunden Führung hatten wir nochmal 2 Stunden Zeit zur eigenen Verfügung, die wir zunächst für ein Frühstück und das Trocknen unserer Sachen in der Sonne nutzen, bevor wir uns nochmal einer Fotosession hingeben konnten.

 

Über die Anzahl der zulässigen Touristenzahlen pro Tag lässt sich sicherlich diskutieren. Und man muss sich durchaus im Klaren darüber sein, dass man auf der Anlage nicht allein ist. Dennoch unternehmen eine Menge Leute die lustigsten Anstrengungen und Verrenkungen, um sich mit Hilfe von Selfie – sticks und Co ins rechte Licht und als gerade alleine darzustellen. Diese Leute zu beobachten sorgte definitiv als zusätzliches Schmankerl beim Besuch von Machu Picchu.

Auf der Rückfahrt kam ich mit Hector ins Gespräch, einem Tauchlehrer aus Cancun in Mexico. Hector und seine Familie haben mich tief beeindruckt, da sie nicht nur die ganzen 13 Stunden Busfahrt zu viert auf 2 Plätzen gesessen und teilweise geschlafen haben, sondern weil die Kinder ausgesprochen lieb waren. Und zwar sehr ungewöhnlich lieb und unquängelig für eine Einjährige und ein Zweijährigen in einem super holprigen Bus, über diverse Klimazonen und Kältegrade. Hector und seine Frau haben die gleichen Strecken gewandert wie wir, mit Ausnahme des regenreichen Aufstiegs. Das sagte er mir, wollte er seiner Familie dann doch nicht antun. Und dann gestand er mir auch noch, dass er offiziell die Reise unter den Namen seines Bruders (der in Lima wohnt und damit Peruanerpreise zahlt) unternahm, damit nicht auch er, wie wir anderen Touristen alle, den Gringoaufpreis zahlen muss. Sehr clever!

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Spät kommen wir erst in Cusco an, nach über 7 Stunden busfahren, mag ich so schnell keinen Bus mehr von innen sehen. Es lebe die Bewegung und Beinfreiheit beim Fahrradfahren!

2 Gedanken zu “Einmal Dschungel und zurück

  1. MM 🙂
    Tolle Fotos – liebe Antonia :-)!!!!
    Es ist so schön , daß Du trotz der Strapazem aufgestiegen bist und dieses erleben konntest!!!!!!!!!
    Beeindruckend und traumhaft schön!!!
    Pass gut auf Dich auf und habe weitere unvergessliche Erlebnisse
    Ganz viele liebe Grüße
    DM+DP

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