Südamerikafeeling par exellence – Besuch bei den Salzterassen von Maras

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Manchmal muss so ein kleines Abenteuer gar nicht gross geplant werden, sondern es geschieht einfach, wenn man sich treiben lässt.
Obwohl ich ja zugeben muss, dass mich die Bilder von den Salzbecken schon das ein oder andere Mal beim Stöbern im Internet begeistert haben und ich gedacht habe, die will ich auch mal sehen, habe ich gestern abend nach dem Besuch von Machu Picchu, kaputt wie ich war, die Gedanken an einen Besuch verworfen. Zumal es wieder eine Busfahrt (meine Kniee! und langes eingequetschtes Sitzen), wieder frühes Aufstehen und eine Wanderung der doch leicht sich bemerkbar machenden Muskeln bedeutet hätte.
Die Nacht habe ich mich gar nicht bewegt, weil meine Beine einfach zuviel Bewegung tagsüber hatten. Aber wie das manchmal so ist nach eine geruhsamen Nacht… Dann geht man runter in den Innenhof zum Frühstück und hört von den neuen Bekannten, dass sie heute vorhaben eventuell eben jene Salzterassen zu besichtigen. Und fragen in die Runde, ob das schon jemand gemacht hat, ob sich das lohnt und ob nicht jemand weiss, wie man am besten dort hinkommt. Und da sich neben Vicky und Neil auch noch eine weitere Holländerin, Anke, den beiden angeschlossen hat und sie in 10 Minuten los wollten, habe ich mich kurzerhand doch angeschlossen. Trotz müder Beine, Busfahrt und noch 4 unvollendeten Blogposts, die auf mich warteten. Aber wie das halt ist im selbstbestimmten Leben, hab ich gedacht, dass die Beine sich auch ein wenig bei der Busfahrt ausruhen können. Und auch, dass ihr euch noch ein wenig gedulden könnt. Das läuft mir schliesslich nicht davon.

So sind wir also los und haben auf den Weg gleich ein paar meiner imaginären Punkte auf der Liste von Dingen, die ich in Südamerika sehen und erleben möchte, abgeharkt. Zuerst haben wir diverse Verhandlungen mit Fahrern jeglicher Art geführt und die unseriösen aussortiert. Man liest ja hier so einiges im Netz und es wird immer von inoffiziellen Taxis abgeraten. Die sind aber gar nicht so einfach zu identifizieren. Gut, dass Anke ziemlich gut im Spanisch ist. Nach mehreren Nachfragen von Passanten und mehrmaligem Überqueren der Strasse, haben wir schliesslich die Abfahrtsstelle der weissen Collectivos in Richtung Urubamba gefunden. Collectivos sind sowas wie Sammeltaxis bzw. Minibusse, in die zwischen 10 – 15 Personen passen. Sie sind etwas teurer als die normalen Busse, dafür auch etwas schneller, weil sie keine Zwischenhalte machen. Losgefahren wird, wenn der letzte Platz belegt ist. Nach etwa 70 Minuten wurden wir an einer Straßenkreuzung rausgeworfen, an der es nach Maras abging. Dort stehen aber schon diverse Taxis bereit, die einen dann entweder zu weiteren Inkaruinen oder zu den Salzterassen bringen. Nach kurzer Verhandlung war der Fahrer bereit uns zu den salineras zu bringen, dort eine Stunde auf uns zu warten und uns dann wieder zurückzubringen. Eine Wanderstrecke kannte er nicht, und da es nach Regen aussah, waren wir dann doch nicht allzu erpicht auf die Wanderung.

Dort angekommen hatte sich aber doch die Sonne durchgesetzt und brannte vom Firmament. Auf den Weg fährt man auf der gegenüberliegenden Seite des Tals erstmal an der Salzterassen vorbei und hat einen tollen Blick über die gesamte Anlage. Also kurzer Fotostopp. Der wurde dann aber doch etwas länger als wir unseren Taxifahrer jede Menge Fragen stellten und er diese auch sehr gerne beantwortete. So haben wir zusätzlich zur Fahrt noch eine kleine Führung bekommen, da sein Vater noch auf den Salzterassen Salz „geerntet“ hat.

Auf dem Gelände selber kann man sehr gut die verschiedenen Salzgewinnungsschritte nachvollziehen. Salzhaltiges Wasser aus einer Quelle wird in die Becken geleitet, ca. 30 cm tief. Innerhalb von 3 Tagen verdunstet das Wasser und die Salzkristalle präzipitieren. Die verschiedenen Farbtöne werden durch die Erde unter den Salzwasser und durch die Mineralien verursacht. Das weisse und rosa Salz ist zum Verzehr für Menschen, das braune Salz ausschließlich für die Tiere gedacht. Die Salzbecken sind wohl schon zur Inkazeit entstanden und durch ein sehr gerechtes Verteilungssystem gleichmäßig auf die Familien der Umgebung aufgeteilt worden. Heute sind die mehr als 3000 Salzbecken auf 700-800 Familien aufgeteilt, die sich in Form von Cooperativen organisieren. Teilweise werden die Salzbecken schon über mehrere Generationen weitervererbt.

 

Auch wenn mir 3 Tage vorher sehr kurz schienen für die Verdunstung, kann ich es mir nach dem Besuch doch sehr gut vorstellen, denn es war sehr heiss. Durch die verschiedenen Weisstöne und die glitzernden Salzkristalle im gleissenden Licht konnte man ohne Sonnenbrille fast gar nicht schauen. Die Sonnenbrille wurde nur kurz für’s Foto abgenommen. Und obwohl es Sonntag war, konnten wir dennoch ein paar Menschen bei den Salzgewinnungsschritten zusehen. Unter der Woche sind es natürlich mehr Leute, die dort arbeiten. So war es wie ein Besuch einer aktiven Salzmine. Immerhin sollen so zwischen 160 und 200 Tonnen Salz pro Jahr produziert werden. Und das Salz ist für die manuelle Gewinnung lächerlich billig. 50 kg vom besten, weissen Salz kosten etwa 6 Euro. Und obwohl ich ja doch einiges an Salz verzehre, um meinen Elektrolythaushalt im Gleichgewicht zu halten, sind mir 50 kg zusätzlich am Fahrrad dann doch etwas viel. 😉

 

Nach einer Stunde ging es zurück. Zuerst mit dem Taxi zur Kreuzung. Und dann hatten wir Megaglück: wir mussten nicht einmal eine Minute warten bis ein Bus Richtung Cusco kam und 4 Plätze frei hatte. Dabei funktioniert das recht einfach mit dem Busfahren. Man stellt sich an den Straßenrand und wartet bis ein Bus kommt, hebt die Hand und winkt. Hat der Bus noch nen Platz frei, hält er an, ansonsten fährt er weiter. So konnte ich dann auch das Abenteuer Busfahrt, inmitten von der einfachen Bevölkerung und bei verrauschter Radiomusik erleben. Aber Angst um seine Besitztümer musste man nicht wirklich haben, wie es in den Blogs und Reiseführern immer angedroht wird. Natürlich passt man auf seine Habseligkeiten auf und hat den Rucksack auf dem Schoss, aber alles im Rahmen, wie man es auch in der Berliner U-Bahn machen würde. Langsam bekomme ich ein Gefühl des Alltags im Südamerikaleben, ohne gleich krampfhaft als Tourist aufzufallen. Hier hilft bestimmt auch, dass ich keine blonden Haare habe und inzwischen auch leicht gebräunt bin (trotz fleißigen Eincremens mit SPF 50).

Besonders schön war, dass zwar einzelne Touristen da waren, aber es keineswegs von Touristen überlaufen war. Ein schöner Gegensatz zu Cusco und Machu Picchu. Eher ein Ort der Ruhe, bei dem man nur an bestimmten Stellen das Wasser plätschern hörte. Da musste ich mich doch mehrmals kneifen, dass das real ist. Genau diese Augenblicke wollte ich hier in Südamerika erleben. Der Ausflug hat sich definitiv gelohnt und hat alles in allem mit Eintritt weniger als 10 Euros gekostet. Also alles richtig gemacht. Am Nachmittag hatte ich dann sogar noch ein wenig Zeit übrig, um mit den Blogeinträgen mal voranzukommen und Euch nicht viel länger auf die Folter zu spannen … .

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