Ein Sonntag in La Paz

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Was macht man an einem Sonntag in La Paz? Diese internationale Metropole könnte auch in Frankreich, Spanien oder Japan stehen und hat so gar nichts gemein mit dem eher armen, ländlichen Bolivien. Soll ich mich in eines der Cafés a la Starbucks, Dunkin Donuts setzen (und stabiles Internet geniessen), die aber doch überall gleich sind? Oder in eines der unzähligen Eiscreme-Läden, die zudem auch überaus leckere Kuchen und Torten anbieten? Was macht also La Paz einzigartig?

Wie gut, dass sich Amira als meine persönliche Stadtführerin angeboten hat. Amira kenne ich aus Deutschland, wir haben zusammen Sport gemacht. Seit 2 Jahren lebt und arbeitet sie nun wieder in Ihrer Heimatstadt La Paz.

9 Uhr. Sonnenschein. Es klingelt. Amira holt mich ab. Zusammen nehmen wir ein Collectivo, dass uns an den Rand der Stadt bringt. Dorthin, wo auch die meisten Einheimischen ihre Sonntage verbringen. Allerdings meist erst ab mittag, bzw. frühen Nachmittag. So sind wir hoffentlich wieder weg, wenn die ganzen Massen eintreffen. Ziel ist das Valle de la Luna, das Mondtal. 2 weitere Vorteile des Besuchs am Vormittag sprechen ebenfalls für den frühen Besuch am Morgen. 1. ist die Rückfahrt mit dem Collectivos viel einfacher, weil einfach viel weniger Menschen um die Plätze streiten und 2. scheint die Sonne. Wie Amira es ausdrückte, in La Paz gibt es das ganze Jahr über das gleiche Wetter, dafür haben sie alle 4 Jahreszeiten innerhalb eines Tages. Ab Mittag ziehen meist die Wolken auf, die dann die Fernsicht einschränken.

Im Mondtal gibt es verschiedene Wanderwege, so dass wir einen guten Überblick über das Tal und die zerklüfteten Steine bekommen. Beeindruckend. Als hätten die Götter wie kleine Kinder am Strand mit nassen Sand Tropfsandburgen erbaut. Zudem konnten wir auch die einheimischen Tiere zu Gesicht bekommen, Vögel, Echsen, Viscachas.

 

Zurück ging es in Richtung Zentrum erst mit Collectivos, dann mit den recht neuen Seilbahnen, die leise schnurrend über die Stadt schweben und damit eine echte, abgasfreie und geräuscharme (weil keine hupenden Minibusse) Alternative des öffentlichen Nahverkehrs darstellen. Zudem ermöglichen die Seilbahnen die 500 Meter höher gelegene Stadt El Alto schnell und unkompliziert zu erreichen und bieten dabei einen fantastischen Überblick über die Stadt. Und das alles für wenig Geld. Eine Fahrt kostet 3 Bolivianos, ca. 40 Cents. Kein Vergleich zur Nutzung derselben Seilbahnen in Österreich.

 

Nach einem kurzen Abstecher nach El Alto, um die Aussicht über La Paz zu geniessen, ging’s wieder runter in ein typisches Restaurant, wo wir unsere hungrigen Mägen beruhigen konnten. Auf dem Weg zum und vom Restaurant in wir immer wieder in Paraden gekommen. Meist von kirchlichen oder Musik begeisterten Vereinen, die einfach nur zum Vergnügen tanzend und musizierend durch die Strassen zogen. Total faszinierend, die schwingenden Röcke, der ansteckende Rhythmus. All die Farben.

 

Nach einem kurzen Abstecher zu Kaffee und Tiramisu, zeigte mir Amira dann noch den Hexenmarkt, von dem jeder Reiseführer berichtet. Dort werden Lamaföten oder -Babys verkauft. Auch kleine „Opfertische“ mit Süssigkeiten, die bestimmte gute Eigenschaften symbolisieren und unter ein neu gebautes Haus begraben werden, nachdem sie vorher abgebrannt wurden. Der Großteil sind allerdings Kräuter-, Obst-, und Gemüsestände. So kauften auch wir, ebenfalls typisch bolivianisch, unseren Wocheneinkauf an frischen Lebensmitteln am Sonntag auf dem Markt ein. An dieser Stelle lernte ich von Amira auch die lokalen Preise kennen. Also die reellen, die die Einheimischen zahlen, nicht die Gringopreise, die ich bisher meistens zahlen musste. Gut zu wissen. Und super lecker. Gern hätte ich soviel mehr gekauft, aber eine Papaya ohne Mixer für mich allein ist einfach zu gross. Auch soll es übermorgen früh wieder weitergehen, und Obst und Gemüse ist dauerhaft leider zu quetschempfindlich oder einfach zu schwer in den Packtaschen.

Zurück in der Unterkunft bestaunten alle meine erbeuteten Schätze. Der Anblick muss arg ihre Münder wässrig gemacht haben, keine 10 Minuten später sind 4 der anderen Reiseradler ebenfalls zum Markt. Einkaufen.

Vielen Dank, Amira, für den wunderschönen Sonntag in La Paz!

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